„Wir wollen weg von der seelenlosen Massenproduktion, hin zum ausdrucksstarken Individualismus.“
Klingt wie ein Statement eines Hipsters von heute. Doch auch schon vor über 100 Jahren haben Menschen genauso gedacht.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Buchdruck durch neue Druckverfahren und Maschinen revolutioniert. Mit den vereinfachten Mechanismen entstand aber auch, zum Leidwesen vieler Künstler, ein Einheitsbrei an immer gleich aussehenden Büchern. Hier ein Zitat aus dieser Zeit:
„In Angesicht der vielen Hässlichkeiten und der stumpfsinnigen Geschmacklosigkeiten, die sich in Deutschland auf unserem Gebiet in dieser Epoche entfaltet haben […] lässt sich im Buchgewerbe kaum noch von einer Kunst reden.“ (O. Grautoff, Die Entwicklung der modernen Buchkunst in Deutschland, 1901)
Als Antwort darauf formte sich um 1890 die sog. Buchkunstbewegung. Diese machte sich die künstlerische Gesamtgestaltung eines Buches zur Aufgabe. Ziel war eine perfekte Harmonie von Text, Schriftart, Illustration, Papier, Druck und Bucheinband. In damals neugegründeten, heute legendären, Zeitschriften wie dem Pan (1895) oder dem Simplicissimus (1896), zeigten die Buchgestalter was sie konnten.
Was als eine Bewegung unter Künstlern und Intellektuellen begann, fand schnell auch Einzug in den Mainstream und beeinflusste nachfolgende Generationen von Typografen und Grafikdesignern, bis heute.
Die Ausstellung ›Wie ein fruchtbarer Regen nach langer Dürre … ‹ -Buchkunst des frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland, zeigt ausgezeichnet erhaltene Buchkunst aus dieser Epoche. Noch bis zum 10. Februar 2019 kann man die typografischen Meisterwerke in der Universitätsbibliothek Heidelberg auf sich wirken lassen.

Die Ausstellung widmet sich vor allem Druckerzeugnissen aus den nicht kommerziellen Privatpressen die damals in ganz Deutschland entstanden. Gegründet von jungen Gestaltern wie Fritz Helmuth Ehmcke, Rudolf Koch, Walter Tiemann oder den Brüdern Kleukens. Außerdem werden auch einige Werke der britischen Kelmscott Press von William Morris, gezeigt, die die damalige deutsche Gestalterszene inspirierte.

Einen großen Teil ihrer Sammlung hat die Universitätsbibliothek Heidelberg digitalisiert. Frei zugänglich kann man sich online in ihrer digitalen Bibliothek durch zahlreiche Schätze der Buchkunst klicken. So wurde auch Jürgen Fransen, auf die beeindruckende Sammlung aufmerksam. Der promovierter Archäologe und Kunsthistoriker und Vorsitzender des Vereins für die Schwarze Kunst e.V. ,war es schließlich, der den Anstoß für eine ‚reale“ Ausstellung gab.

Für alle die es nicht nach Heidelberg schaffen, wurde die komplette Ausstellung virtuell nach empfunden.

Bildquelle: www.ub.uni-heidelberg.de